Haltung von elpos

Als Elternorganisation engagieren wir uns für eine breitgefächerte Unterstützung von ADHS-betroffenen Kindern und Jugendlichen, ihren Angehörigen und Bezugspersonen. elpos hat sich 1974 aus der Not gegründet, weil das Wissen über die ADHS-Thematik damals nur bei wenigen Fachpersonen vorhanden war und Erfahrungswerte von Eltern fehlten. Inzwischen hat sich diese Situation im positiven Sinne stark gewandelt. Geblieben sind jedoch verunsichernde, undifferenzierte Medien-Meldungen, Vorurteile bezüglich der Erziehung («Modediagnose» als Entschuldigung für soziales Fehlverhalten) und die Polemik um die Medikation. elpos setzt auf Ganzheitlichkeit und hat das Ziel, Eltern und weitere wichtige Bezugspersonen des Kindes – und dies sind während den prägenden Entwicklungsjahren auch die Pädagogen – sachlich und werteneutral zu informieren. Denn: Wer versteht, was eine ADHS ist und wie sie sich auswirken kann, entwickelt viel eher das nötige Verständnis für den betroffenen Menschen.

Jedes Kind ist einzigartig Betroffene Kinder verfügen häufig über ein grosses Potential, das sie aufgrund der Probleme jedoch nicht genügend umsetzen können. So sind sie oft sehr empfindsam und haben viele «starke Seiten». Im Sinne einer resilienten Erziehung und Ausbildung sollen diese positiven Eigenschaften gefördert und auch im Schulzimmer als Ressourcen miteinbezogen werden. Nicht zuletzt geht es um die Bereitschaft, diese Kinder und Jugendlichen in ihrer ganzen Persönlichkeit und mit all ihren Facetten wahr zu nehmen und zu respektieren. Jeder von uns hat Schwächen und Schattenseiten. Kurz: Die Auswirkungen von ADHS müssen wir ernst nehmen, das Kind jedoch nie auf diese Problematik reduzieren!

Abklärung und Diagnose Eine gründliche, differenzierte und ganzheitliche Abklärung durch eine qualifizierte Fachperson ist die Grund-Voraussetzung für eine erfolgreiche und individuelle Therapie. Denn rund 5% der Kinder sind in einem Ausmass betroffen, dass ihre persönliche und schulische Entwicklung erheblich darunter leidet.

Früherfassung und Behandlung Diese sind bei ADHS enorm wichtig. Erlebt sich das Kind stets negativ und erfüllt es die schulischen Anforderungen nicht, so ist der Aufbau eines gesunden Selbstwert- und Identitätsgefühls kaum möglich, was das weitere Leben stark beeinträchtigt. Wird eine ADHS-Symptomatik nicht rechtzeitig entdeckt oder behandelt, erhöht sich das Risiko einer Komorbidität (Begleiterkrankung) oder Folgestörung. Leiden wie Tics, Angst- oder Zwangsstörungen, Depressionen oder Suizidgedanken können bereits im Kindesalter auftreten, während bei Jugendlichen Essstörungen und Suchtgefährdung («Selbstmedikation») hinzukommen. Mit den psychischen Auswirkungen werden einerseits die Eltern konfrontiert, andererseits sind sie auch im Schulalltag wahrzunehmen, weshalb in dieser Broschüre ausführlich darauf eingegangen wird.

Hilfe, Unterstützung, Therapie Nach erfolgter Diagnose durch den Facharzt oder Psychologen ist die Aufklärung und Beratung von Eltern und Kind durch den Spezialisten ein Muss. Im Idealfall wird die Lehrperson von den Erziehungsberechtigten informiert und gemeinsam ein tragfähiges Unterstützungsnetz geflochten. Voraussetzung ist ein wohlwollendes Verhältnis zwischen Elternhaus und Schule. Je nach Ausprägung der Störung ist ein multimodaler Therapieansatz unerlässlich. Um ein Kind oder einen Jugendlichen gezielt und breit gefächert unterstützen zu können, sind manchmal zusätzliche, individuelle Interventionen angezeigt.

Ein klares Behandlungskonzept: Die multimodale Therapie Nach jahrelangen Diskussionen haben auf ADHS spezialisierte Psychiater und Pädiater in Europa und Nordamerika (grösstenteils) übereinstimmende Leitlinien und die multimodale Therapieform zur Behandlung der neurobiologischen Störung entwickelt. Die drei Bausteine der multimodalen Therapie basieren auf Psychoedukation, Verhaltenstherapie und Pharmakotherapie. Die Umsetzung wird je nach Spezialist unterschiedlich gehandhabt und gewichtet. Was dabei wichtig ist: Die betroffene Familie braucht für eine erfolgreiche Therapie in jedem Fall ein gut funktionierendes Netzwerk! Und dazu gehört die Schule unbedingt.

Beziehung ist das A und O Denn: 80 Prozent an positiven Einflüssen wird über die Beziehungsebene erreicht (Paul Watzlawick). Deshalb ist bereits im Vorschulalter ein Elterntraining sehr hilfreich und wirksam. Hier wird vermittelt, wie mit dem Kind kommuniziert werden soll, welche Strukturen und Regeln es braucht, um mit der Reizüberflutung umgehen zu können oder aus der negativen Verhaltensspirale heraus zu finden. Eine gute Beziehung zwischen Elternhaus und Schule wirkt sich positiv verstärkend auf das Verhalten des Kindes im Unterricht aus. Idealerweise versucht die pädagogische Bezugsperson wirksame strukturelle Massnahmen (wo möglich) zu übernehmen oder zu adaptieren.

Ein Wundermittel gegen die ADHS haben auch wir noch nicht gefunden. Aber wir wissen: Verständnis, Liebe und der Glaube an unsere betroffenen Kinder und Jugendlichen sind heilsam. Und es liegt an uns allen, ihr positives Potenzial zu entdecken und zu fördern: Offenheit, Spontaneität, Durchsetzungskraft, Kreativität, Humor, Hilfsbereitschaft, Sensitivität, Neugierde, Gerechtigkeitssinn, Einfühlungsvermögen und Authentizität.

Die Dienstleistungen von elpos Schweiz liegen schwerpunktmässig im Bereich der Psychoedukation, Beratung und Aufklärungsarbeit.